Flucht nach Europa

[26.02.2018] 

„Zwischen Menschen zu unterscheiden, die vor Krieg und Terror oder dem Verhungern fliehen, ist eine moralische Katastrophe“, betonte Erik Marquard auf seinem Fotovortrag „Flucht nach Europa“. Der Fotograf und Grünen-Politiker ist mehrfach auf der Fluchtroute durch die Türkei, Griechenland und über den Balkan gereist sowie Anfang 2017 nach Afghanistan und war für die Hilfsorganisation Sea-Eye im Einsatz. Anfang Februar besuchte Erik Marquardt auf meine Einladung die Grünen Kreisverbände Neuwied und Landau und berichtete mit eindrücklichen Bildern über die „Flucht nach Europa“ und die Fluchtursachen.

So haben in den afghanischen Städten Kabul und Massar-e Scharif unzählige Menschen Zuflucht gesucht und versuchen sich und ihre Familien für einen Hungerlohn als Tagelöhner durchzuschlagen. Auch ihre Kinder arbeiten – oft als Müllsammler –, weil ein Schulbesuch nicht finanzierbar ist und das zusätzliche Einkommen zum Lebensunterhalt benötigt wird. Dazu kommt die ständige Bedrohung durch Terroranschläge. Deshalb sollte man sich nie länger an einem Ort aufhalten und sich möglichst im Auto durch die Stadt. Wer Geld hat, umgibt sich mit Mauern und stellt Leibwächter ein – für die allermeisten Menschen ist das allerdings unerreichbar. Etwa 600.000 Menschen sind auf der Suche nach Sicherheit innerhalb Afghanistans auf der Flucht sind. Sie leben in Flüchtlingslagern in extrem schlechten hygienischen Verhältnissen, schlafen in unbeheizten Zelten, haben kaum Wasser zur Verfügung und keine ausreichende medizinische Versorgung.

So verwundert es nicht, dass sich Menschen auf der Suche nach Sicherheit und besseren Lebensumständen auf den Weg machen und dafür auch enorme Risiken eingehen, die viele mit ihrem Leben bezahlen – beispielsweise wenn Schlepperbanden bis zu 70 Personen in winzigen Schlauchbooten zusammenpferchen, oft ohne Schwimmwesten, ohne Wasser und Verpflegung, ohne Sonnen- oder Wetterschutz und ohne Erfahrung in der Bootsführung. Wer die Reise nach Griechenland oder Italien schafft, muss in den dortigen Lagern wieder unter teilweise untragbaren Zuständen ausharren: Unbeheizte Zelte, schlechte Versorgung, unzureichende medizinische Hilfe und schlechte Hygieneverhältnisse kennzeichnen auch hier in Europa die Lebensumstände der Menschen in Not.

Marquardts Vortrag macht deutlich: Eine Politik, die Europa an den Außengrenzen abschottet, ist der falsche Weg. Sie verlagert die Probleme an die Küsten der Länder, in denen die Flüchtenden ankommen und die damit völlig überfordert sind, da die EU sie im Stich lässt.

Flüchtlinge in einem Schlauchboot auf dem Mittelmeer.

© Erik Marquardt (2015)

Flüchtlingslager Idomeni (Griechenland): Mehrere junge Männer bilden eine Pyramide, viele andere stehen drumherum, schauen zu und freuen sich.

© Erik Marquardt (Idomeni, 2016)