Kaum Unterstützung für hörbeeinträchtigte Menschen

[19.04.2018]  Anfrage
Kopf eines Mädchens, das sich das Ohr zuhält.
© Counselling / pixabay.com

Ein Rechtsstreit darüber, ob einem gehörlosen Kind gegen den Willen der Eltern eine Hörprothese (Cochlea Implantat) eingesetzt werden darf, hat die Lebenswelt gehörloser Menschen in Fokus gerückt. Meine Fraktion und ich haben deshalb die Bundesregierung „Zur Situation von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen in Deutschland“ befragt. Die Antwort zeigt: Es ist noch viel zu tun, um hörbeeinträchtigten Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen. Und: Das Bewusstsein der Bundesregierung für die Situation gehörloser Menschen und ihre Kenntnisse darüber sind sehr lückenhaft.

Die Operationen von Cochlea Implantaten, einer elektronischen Hörprothese, nehmen seit nehmen seit Jahren kontinuierlich zu (siehe ausführliche Auswertung unten). Die Bundesregierung weiß jedoch nichts über die psycho-sozialen Auswirkungen, die eine solche Operation mit sich bringt (Frage/Antwort 17). Sie hält es auch für unnötig, entsprechende Forschung in Auftrag zu geben. Doch wie sollen sich Betroffenen dann unabhängig informieren und für oder gegen eine solch weitreichende Operation entscheiden können? Auch darauf gibt die Bundesregierung keine konkrete Antwort (Frage/Antwort 16).

Außerdem offenbart die Bundesregierung, dass das Engagement von hörbeeinträchtigten Menschen nicht gewollt ist: Bisher hat kein einziger stark Hörbeeinträchtigter jemals einen Bundesfreiwilligendienst absolviert (Frage/Antwort 7). Das ist auch nicht verwunderlich, denn eine Kostenübernahme für GebärdendolmetscherInnen ist im Rahmen des Bundesfreiwilligendiensts nicht vorgesehen. Lediglich 100 Euro stehen für „besonderen Förderbedarf“ monatlich zu Verfügung. Davon ließe sich gerade einmal für etwa eineinhalb Stunden im Monat eine GebärdendolmetscherIn finanzieren.

Auch an Integrationsangeboten für gehörlose Geflüchtete mangelt es. Im vergangenen Halbjahr gab es in ganz Deutschland gerade einmal sieben Integrationskurse in Gebärdensprache, fünf davon in Nordrhein-Westfalen (Frage /Antwort 33). Wenn sich Geflüchtete integrieren sollen, müssen sie auch die Möglichkeiten dazu haben. Doch viele hörbeeinträchtigte Geflüchtete haben de facto gar keinen Zugang zu Integrationskursen.