Bluttest auf Down-Syndrom: Kritik an der Positionierung der EKD

[02.11.2018]  Pressemitteilung
Blutuntersuchung

Zur Veröffentlichung des Beitrages „Nichtinvasive Pränataldiagnostik – Ein evangelischer Beitrag zur ethischen Urteilsbildung und zur politischen Gestaltung “ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erklärt Corinna Rüffer, Sprecherin für Behindertenpolitik der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

Die Positionierung der EKD zur nicht-invasiven Pränataldiagnostik zeigt eigentlich nur die Ratlosigkeit der Autorinnen und Autoren. Auf der einen Seite sollen die umstrittenen Bluttests zukünftig für alle Schwangeren von der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden, auf der anderen Seite fordert die EKD eine ethische Pflichtberatung für alle werdenden Mütter mit klarem Ziel des Lebensschutzes. Die Vorstellung der EKD, man könne den behindertenfeindlichen Charakter dieser Tests irgendwie einhegen, wenn man ihn staatlich finanziert und die Frauen zu einer Pflichtberatung schickt, ist naiv. Auch heute schon werden rund 90 Prozent der Schwangerschaft bei einem Verdacht auf Trisomie 21 abgebrochen.

Ich sehe nicht, wie unsere Gesellschaft ein positiveres Bild von Menschen mit Behinderung bekommen soll, wenn wir diesen Test über die Krankenkassen als Regelleistung finanzieren und damit quasi mit einem Gütesiegel versehen. Auch die Stellungnahme der EKD lässt so einen positiven Blick auf Behinderung übrigens vermissen; dort ist zumeist von der Belastung der Eltern durch ein Kind mit Behinderung die Rede.

Die EKD leistet einen Offenbarungseid, wenn sie glaubt, einen gesellschaftlichen „Mentalitätswandel“ – auch im Umgang mit Behinderung – nicht über normative Vorgaben beeinflussen zu können. Von einer Kirche erwarte ich eigentlich klare gesellschaftliche Werte und eine wertschätzende Haltung zu menschlichem Leben in all seinen Ausprägungen. Zudem geht die EKD offenbar fälschlicherweise davon aus, dass sich die Zahl der invasiven Untersuchungen durch den Test auf jeden Fall verringern lässt. Das IQWIG, das die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses vorbereiten soll, gibt in seiner Bewertung allerdings an, die Zahl invasiver Eingriffe könne bei einer Nutzung des Tests durch alle Schwangeren durchaus auch ansteigen.